Märchen zum Mitmachen

Bei den Sommerspielen Südliche Weinstraße im Freilichttheater „Eselsbühne“ in Dörrenbach gab es erstmals eine richtige Premiere. In zwei Vorstellungen spielte die Volksbühne aus Michendorf ihre Version des Märchens „Hänsel und Gretel“ der Brüder Grimm.

„Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel.“ So beginnt die Originalfassung des Märchens der Brüder Grimm „Hänsel und Gretel“, das sie 1812 geschrieben haben. Eine eigene Fassung der Volksbühne Michendorf hatte bei den Sommerspielen Südliche Weinstraße im Freilichttheater „Eselsbühne“ in Dörrenbach Premiere.

Hänsel und Gretel sind im Dörrenbacher Wald tatsächlich zu finden, und zwar als Teil des 2014 eingeweihten Märchenwanderweges mit sieben Stationen bekannter Märchen. „Die Volksbühne ist ein kleines Theater mit 80 Sitzplätzen in Michendorf, einer Kleinstadt mit rund 11.000 Einwohnern, nordöstlich von Potsdam, wir treten bundesweit auf“, erzählt Theaterdirektor Steffen Löser kurz vor der Vorstellung, die vier Profischauspieler bestreiten. Am Morgen war die Eselsbühne mit Kindern aus den Grundschulen und Kindertagesstätten gefüllt, am frühen Abend wurde eine zweite Vorstellung für Familien angeboten.

Die Miete ist fällig und die Eltern von Hänsel (Eric Naumann) und Gretel (Julenka Werkmeister) können sie nicht bezahlen. Der gierige und bösartige Gutsherr (Hartmut Kühn in der Doppelrolle des Gutsherrn und des Vaters) kennt keine Gnade, die Familie muss raus. Wenn es da nicht die Geschichte vom verwunschenen Haus im Wald gäbe, die der Vater den Kindern beim Abendessen – einem Stück trockenem Brot – erzählt. Es soll gefüllt sein mit Gold, aber bewohnt von einer bösen Hexe.

„Hänsel und Gretel“ ist ein tragisches und auch grausames Märchen, an dem auch moderne Versionen nicht viel ändern können, das aber von der Volksbühne Michendorf mit interaktiven Sequenzen geschrieben wurde, die für Auflockerung sorgen. So singen alle gemeinsam das seit 1870 überlieferte Kinderlied „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider … weil mein Schatz ein Jäger, Jäger ist“. Wer trägt gelb, wenn er arbeitet?, fragt Gretel die Kinder. „Ich“ kommt die prompte Antwort von einem Knirps in der ersten Reihe. „Der Postmann“, ruft ein weiteres Kind und fertig ist die zweite Strophe mit den gelben Kleidern, die getragen werden, weil der Schatz ein Postmann ist.

Um den Eltern zu helfen, machen sich Hänsel und Gretel auf die Suche nach dem verwunschenen Haus und finden es. Gebaut aus Lebkuchen und Zuckerwerk, dem die Kinder natürlich nicht widerstehen können. „Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen“, ruft die Hexe den berühmten Satz. Tina Nicole Kaiser spielt als Mutter und Hexe ebenfalls eine Doppelrolle. Die Geschichte ist bekannt und nimmt ihren Lauf, Hänsel soll gemästet werden, um als Braten auf dem Tisch der Hexe zu landen.

Aber Gretel schiebt das böse Weib in den Backofen. „Oh, ich glaube, ich löse mich in Rauch auf, das ist interessant“, ruft diese noch. Die Kinder finden das Gold, die Familie ist gerettet, ist dem bösen Vermieter nicht mehr ausgeliefert und kann sich immer genügend zu essen kaufen. Und wenn sie nicht gestorben sind …

„Das war cool“, findet ein kleines Mädchen nach der Vorstellung. Und für einen älteren Herrn, der alleine gekommen war, sind Kindheitserinnerungen wach geworden.

 

Von Sonja Pfundstein-Brinkop

Foto: van